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Führung durch das Kloster Reisach

mit Pater Slawek OCD

Ursprünglich heißt dieser Ort „Urfahrn“. Das leitet sich ab von „überfahren“. Es gab hier seit alters eine wichtige Innfähre von der Niederau nach Erl in Tirol. Um das Jahr 1420 hatte das Überfahrtsrecht ein gewisser Leonhard, genannt der „Urfahrer“. Das war sicher ein gutes Geschäft, denn er baute sich am Innufer das alte Schloss Urfahrn mit fünf Stockwerken und Wehrtürmen. Drei Stockwerke sind noch erhalten. Heute steht das alte Schloss Urfahrn mitten in einer Wiese östlich vom Gasthaus Waller, der ehemaligen Klosterwirtschaft.

Diese Hofmark Urfahrn wechselte im Lauf der Jahrhunderte öfter die Besitzer. 1700 wurde sie erworben von den Freiherren von Reisach. Von ihnen haben wir dann später durch König Ludwig I. die heutige Bezeichnung „Kloster Reisach“ bekommen.

1721 wurde die Hofmark Urfahrn vom Aiblinger Braumeister Johann Georg von Messerer erworben, der im damaligen Kurfürstentum Bayern „Commissarius“ für das Brauwesen wurde. Er hatte eine reiche Brauerwitwe aus Wasserburg am Inn geheiratet: Clara von Kern, geborene „von der Bärenlohe“. Die beiden waren nicht nur wohlhabend, sondern auch fromm. In München hatten sie die Karmeliten kennen gelernt, wurden sogar Mitglieder des Dritten Ordens. Nun wollten sie in ihrer Besitzung in Urfahrn ein Kloster für unseren Orden stiften. Ursprünglich war dabei an eine Einsiedelei in der Art einer Kartause gedacht. Wir Karmeliten sind nämlich als Einsiedler-Orden entstanden, und zwar auf dem Berg Karmel im Hl. Land. Vom Berg Karmel haben wir auch unseren Namen.

Unser Orden entstand nach dem 3. Kreuzzug (1189-92), bei dem so berühmte Leute dabei waren wie Richard Löwenherz, König von England, und der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa, der allerdings vor Erreichung des Ziels im Salef ertrank.

Den Kreuzfahrern gelang es, einen Küstenstreifen des Hl. Landes zurückzuerobern mit der Hafenstadt Akko als Stützpunkt und Hauptstadt. Jerusalem blieb in der Hand von Sultan Saladin.

Mit den Kreuzfahrern kamen aus Europa Einsiedler, die sich auf dem Karmel niederließen, der in der Nähe von Akko liegt.

Eine Gruppe von ihnen schloss sich zu einer Gemeinschaft zusammen und erbat sich von ihrem Bischof eine Ordensregel, die Albertus, lateinischer Patriarch von Jerusalem mit Sitz in Akko, um das Jahr 1207 verfasste.

Die Einsiedler-Gemeinschaft weihte ihre kleine Kirche der Gottesmutter Maria, weswegen sie bald „Brüder unserer lieben Frau vom Berg Karmel“ genannt wurden. Der alttestamentliche Prophet Elija, der auf dem Karmel Schüler um sich gesammelt hatte, wurde von den Brüdern als Vorbild und geistlicher Vater verehrt.

Bedingt durch häufige Überfälle von Seiten der Sarazenen, begann um das Jahr 1240 eine Rückwanderung der Brüder nach Europa. Dort waren inzwischen die so genannten „Bettelorden“ entstanden (Franziskaner und Dominikaner). Diesem Typ von Orden wurden wir Karmeliten durch einen päpstlichen Erlass angeglichen. Die neuen Klöster wurden wie bei den anderen Bettelorden überwiegend in den Städten gegründet. Allerdings hat man in unserem Orden auch das ursprüngliche Einsiedler-Ideal bewahrt. Deswegen sollte es in jeder Ordensprovinz neben den Stadtklöstern einen sogenannten „Erémus“, eine Einsiedelei geben.

Die deutsche Provinz hatte damals schon neun Klöster in Städten wie Köln, Würzburg, München, aber noch keine Einsiedelei. Deswegen war der ursprüngliche Plan des Stifters, eine solche in Urfahrn zu gründen, bei uns Karmeliten sehr willkommen.

Das Gründungsdatum unseres Klosters ist der 14. Oktober 1731.

Der Stifter stellte den ersten Mitbrüdern, die aus unserem Münchner Kloster kamen, das alte Schloss Urfahrn als vorläufige Wohnung zur Verfügung. Er selbst wohnte mit seiner Familie im neuen, von ihm erbauten Schloss, an das sich eine wunderschöne Kapelle im Rokoko-Stil anschließt und in der die ersten Karmeliten von Urfahrn ihre Gottesdienste feierten.

Dadurch blühte hier im Inntal das kirchliche Leben dermaßen auf, dass man den Plan mit der Einsiedelei fallen ließ und ein Kloster mit einer großen Barock-Kirche baute.

Die Säkularisation von 1802 war der härteste Einschnitt in der Geschichte des Klosters: Kloster Reisach wurde Staatseigentum (und ist es heute noch!). Das Stiftungskapital, nach heutigem Geldwert etwa eine halbe Million Euro, wurde konfisziert. Messgeräte und –Gewänder und fast die ganze Einrichtung wurden hier gelassen, weil Urfahrn Sammelkloster wurde und die aus Schongau vertriebenen Mitbrüder aufnehmen musste. Ab 1803 waren hier 24 Patres und 5 Brüder zum Aussterben eingesperrt.

Es durften keine Gottesdienste für die Gläubigen gehalten werden, und die Kollektur auf dem Land – die Lebensgrundlage der Bettelorden – war erst recht verboten. Unser Kloster war eine so genannte „kurfürstlich-bairische Krepier-Anstalt“ geworden. 1836 starb der letzte Karmelit von Urfahrn. Inzwischen war aber in Bayern Ludwig I. König geworden, der das kirchliche Leben förderte, Klöster wieder besiedeln ließ und sogar neue gründete. Als die Vertreter von 9 Inntalgemeinden darum baten, dass die Karmeliten wieder nach Urfahrn kommen dürften, gewährte das der „Kini“ gnädigst, allerdings unter der Bedingung, dass das Kloster ab sofort „Reisach“ heißt. Er hatte nämlich an seinem Hof einen Nachfahren der Freiherren von Reisach, die von 1700 bis 1721 auf der Hofmark Urfahrn saßen. Ihm zuliebe vollzog Ludwig I. diese hoheitliche Umbenennung.